1930 – 1939

Chronik

1930

• Es wird mit der Aufstellung von öffentlichen Fernsprechstellen begonnen.

 

1931

• Bremens erster Stadt-Autobus „Der rasende Anton“ kommt zum Einsatz.

 

1932

• Das Kolonial-Ehrenmal „Elefant“ an der Gustav-Deetjen-Allee wird eingeweiht. • Otto Wilhelm August Schreiber, Gründer der Schreiber-Reederei, erwirbt den Dampfer „Friedrich“ und beginnt mit der Hafenrundfahrt.

 

1933

• Der monatliche staatliche Zuschuss für den Fremdenverkehrsverein beträgt 1.000 Reichsmark. • Mit dem Bau der Reichsautobahn von Bremen nach Hamburg wird begonnen.

 

1934

• Der Fremdenverkehrsverein Bremen wird in das Vereinsregister eingetragen. • Der Bremer Freimarkt findet erstmals auf der Bürgerweide statt. • Das neue Glockenspiel in der Böttcherstraße wird eingeweiht.

 

1936

• Bernhard Hoetgers Bronzerelief „Der Lichtbringer“ wird über dem Eingang zur Böttcherstraße angebracht. • Führungen durch die Böttcherstraße werden vorübergehend eingestellt (Stichwort: entartete Kunst).

 

1937

• Eröffnung des Rhododendronparks auf dem Gelände des ehemaligen Rickmers-Parks. • Stapellauf des Fahrgast-Motorschiffes „Oceana“ für die Reederei Otto W. A. Schreiber. • Eröffnung der „Ersten deutschen Walfang-Ausstellung“ im Deutschen Kolonial- und Überseemuseum.

 

1938

• Das in Bremen erbaute Focke-Wulf-Flugzeug „Condor“ fliegt in 24 Stunden ohne Halt nach New York und in 19 Stunden 57 Minuten zurück. • Carl F. Borgward gründet sein Automobilwerk. • 600.000 Besucher sehen die Ausstellung „Bremen – Schlüssel zur Welt“ auf der Bürgerweide.

 

1939

• Der Zweite Weltkrieg beginnt.

Hohe sittliche Aufgabe

Im 30. Jahr seines Bestehens hat sich der Fremdenverkehrsverein Bremen wie andere Vereine auch dem absoluten Führerprinzip unterzuordnen. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 14. November 1933 wird Parteigenosse Senator Otto Bernhard neuer Vorsitzender. Er nennt Bremen das „Einfallstor für Übersee“, und jeder Bremer mit Auslandsbeziehungen habe „die Pflicht und die Mission, für das deutsche Vaterland zu werben und zu kämpfen“. Um die Fremden „hier würdig zu empfangen“, sind vier einheitlich gekleidete Fremdenführer mit Armbinden im Einsatz.

Eine Bremer Firma spendiert 10.000 Mark, damit werden „Orientierungspläne in geschmackvollen Glaskästen“ an markanten Punkten der Stadt aufgestellt. Verkehrswerbung wird zur hohen sittlichen Aufgabe. „Reist in Deutschland“, „Deutsche Schiffe sind deutscher Boden“, Schlagworte nicht ohne politischen Hintersinn. Es sei jetzt wichtiger als früher, dem Ausland diese deutsche Landschaft, den deutschen Geist und die deutsche Seele nahe zu bringen, formuliert der regierende Bremer Bürgermeister Dr. Richard Markert vor Fremdenverkehrsfachleuten in der Hansestadt.

Das schaffende Bremen

Unter politisch gesteuerten Vorzeichen läuft die alltägliche Vereinsarbeit weiter. Um die Fremden nicht nur auf die Schönheiten der Stadt, sondern vor allem auf das „schaffende Bremen“ hinzuweisen, werden Fußführungen durch den Hafen organisiert mit Besichtigung sämtlicher hafentechnischer Anlagen, Baumwollschuppen, Obst- und Stückguthallen. Ein großer Führer „Das schöne Bremen“ und die Broschüre „Das schaffende Bremen“ auf Deutsch und Englisch kommen heraus.

Nacholympische Spiele

Von den Olympischen Spielen 1936 in Berlin profitiert auch Bremen. In der „Bremer Kampfbahn“ (Weserstadion) finden vom 17. bis zum 23. August „Nacholympische Spiele“ statt. Finnische und deutsche Turner stellen sich vor, japanische Meisterschwimmer messen sich mit der deutschen Olympia-Mannschaft. Ein Handballspiel Amerika – Niedersachsen und internationale Leichtathletikkämpfe werden ausgetragen. Während dieser Tage herrscht starker Fremdenverkehr in der Stadt, die Zahl der Übernachtungen schnellt auf 400.000 und ist damit doppelt so hoch wie in den Jahren 1932/33.

Katastrophale Bilanz

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 kommt der Fremdenverkehr nicht gleich zum Erliegen, allerdings stehen für die Menschen bald andere Probleme im Vordergrund. Im weiteren Kriegsverlauf wird der eben noch von den Nationalsozialisten so propagierte und geförderte Ausflugs- und Urlaubsverkehr für jedermann drastisch reduziert gemäß der Parole „Räder müssen rollen für den Sieg – unnötige Reisen verlängern den Krieg“. Der Fremdenverkehrsverein Bremen betreut vorrangig Soldaten auf Heimaturlaub, Männer des Arbeitsdienstes und die sogenannten Kriegsmaiden. Am Ende liegt Großdeutschland in Trümmern. Bremen wird am 27. April 1945 durch britische Truppen befreit. Die Bilanz der braunen Diktatur ist katastrophal. Die meisten Bremer Sehenswürdigkeiten sind nur noch Schutt und Asche. Das Rathaus und der Dom sind kaum beschädigt, der Roland übersteht den Krieg unversehrt, in einen Mantel aus Mauersteinen gehüllt.