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Chronik
1903
• Die erste Geschäftsstelle des Fremdenverkehrsvereins befindet sich in der Bahnhofstraße 36 im Reisebüro von Johannes Tödter. • Bremen zählt 200.000 Einwohner.

1904
• Der Künstler Otto Bollhagen entwirft das erste Bremen-Plakat mit dem Roland als Motiv. • Die Firma W. Scheller wird mit der Herausgabe eines Bremen-Führers in deutscher und englischer Sprache beauftragt. • Der Beitritt zum Bund Deutscher Verkehrsvereine in Frankfurt/M. wird gemeldet.

1905
• Der Fremdenverkehrsverein hat 446 Mitglieder, das Gesamtbudget beträgt laut Protokollbuch 7186 Mark. • Agenturen des Norddeutschen Lloyd verteilen 3.873 Fremdenführer in Großbritannien und den Vereinigten Staaten. • Heinrich Vogeler gestaltet die Güldenkammer im Rathaus neu als Musterbeispiel des Jugendstils.

1906
• Der Fremdenverkehrsverein verteilt 40.000 deutsche die auf den Vorstationen Bremens in Eisenbahnzüge In Bremen wird das erste Kraftfahrzeug zugelassen. • Der Bremer Überseehafen wird eröffnet.

1907
• In den Hotels und Gastwirtschaften der Stadt logieren 130.272 Fremde. • Das Polizeihaus Ecke Ostertorstraße/Am Wall entsteht nach Plänen des Berliner Architekten Börnstein (bis 1908). • Die ersten Bäume im Stadtwald werden gepflanzt. • Die neue Trabrennbahn in der Vahr wird eröffnet.

1908
• Der Deutsche Radfahrerbund hält seinen 25. Bundestag in Bremen ab. • Der Deutsche Flottenverein in Stuttgart organisiert einen Besuch in Bremen für 400 Personen. • Wilhelm und Henrich Focke unternehmen erste Versuche mit dem Hängegleiter in der Pauliner Marsch.

1909
• Der Marcus-Brunnen vor dem nördlichen Turm der Kirche Unser Lieben Frauen wird aufgestellt. • Die Bauarbeiten für das Neue Rathaus nach dem Entwurf des Münchner Architekten Gabriel von Seidl beginnen.


Honoriger Gründerkreis

1903, als der Verkehrsverein Bremen aus der Taufe gehoben wird, ist nicht nur das 20. Jahrhundert jung, auch der Tourismus – das Wort ist noch nicht gebräuchlich, man spricht von Fremdenverkehr – steckt deutlich in den Kinderschuhen. Reisen ist ein Privileg, das sich nur wenige, vorrangig die begüterten Schichten leisten können. Für die große Masse der Bevölkerung reicht es, wenn überhaupt, gerade mal für einen Sonntagsausflug oder ein paar freie Tage, eine kurze Sommerfrische. In Bremen beteiligt sich vor allem der Norddeutsche Lloyd (NDL) – zehn Jahre später die größte Fahrgastreederei der Welt – maßgeblich an der Gründung eines Fremdenverkehrsvereins. Es ist der umtriebige NDL-Generaldirektor Dr. jur. Heinrich Wiegand, der an der Spitze eines honorigen Kreises Bremer Senatoren und Kaufleute die Initiative ergreift. Das Protokoll der Gründungsversammlung am 7. Juli 1903 ist so was wie ein Spiegelbild der Bremer Prominenz jener Jahre. Franz E. Schütte, Petroleumkönig und Kunstmäzen, gehört dem ersten Vorstand an, ferner der Richter und Bür-gerschaftspräsident Dr. Rudolph Quidde, der Weinkaufmann Heinrich Bömers, die Herren Senatoren Hermann Frese, Dr. jur. Victor Marcus, Dr. Karl Stadtländer und Hermann Hildebrand. Zum Kreis der Gründungsmitglieder zählen außerdem der Rechtsanwalt Lürman, Consul Achelis, Lambert Leisewitz, Lloyddirektor Philipp Heineken, Ludolph Müller und Dr. Wilmanns, alles hoch angesehene Bürger der Hansestadt. Heinrich Wiegand wird zum ersten Vorsitzenden gewählt und bleibt es ehrenamtlich bis zu seinem Tod im Jahre 1909.




„Des Sehenswerten genug“

Besucher der Stadt zum längeren Verweilen und möglichst auch zum Wiederkommen zu bewegen, also aus Fremden Freunde zu machen, ist das ideelle Ziel des Fremdenverkehrsvereins, eine nicht ganz leichte Aufgabe bei den offenbar recht sturen Hanseaten. „Ältere Mitbürger werden sich noch der Zeit erinnern, wo ein Fremdling mit dem roten Baedeker in der Hand in den Straßen Bremens allgemein angestaunt wurde. Der Fremde hatte denn auch nichts Eiligeres zu tun, als nach einem Besuch des Bleikellers und des Ratskellers mit dem nächsten Zuge weiterzureisen. Glücklicherweise hat Bremen in den letzten Jahren einen erstaunlichen Aufschwung genommen, so dass wir uns nicht mehr zu wundern brauchen, wenn wir von Fremden hören, dass sie hier einige angenehme und interessante Tage verlebt haben.“ So steht es im Gründungsaufruf zu lesen, den die Bremer Nachrichten am 10. Juli 1903 veröffentlichen. Was die Hansestadt zu bieten hat, wird stolz und nicht ohne eine gehörige Portion Patriotismus aufgelistet: „Unser Marktplatz, wo sich dem herrlichen Rathaus der neu erstandene Dom und der renovierte Schütting würdig anreihen, die reichen Sammlungen des Städtischen Museums und der Kunsthalle; die Wallanlagen und der Bürgerpark, der jetzt von geschmackvollen Villen immer mehr eingerahmt wird, machen allein schon einen Besuch Bremens lohnend. Unsere Vaterstadt bietet des Sehenswerten genug, um einen Platz unter den schönsten deutschen Städten beanspruchen zu können.“




Vierspännig zur Meierei

Eine großzügige Spende Franz Schüttes ermöglicht es dem Fremdenverkehrsverein, die in vielen Städten schon üblichen Wagenfahrten auch in Bremen einzuführen. Täglich startet ein Gala-Rundfahrtwagen, mit vier Pferden bespannt, ab Hillmanns Hotel. Die kleineren Rundfahrten – sie beginnen um 4, 5 und 6 Uhr nachmittags mit dem Ziel Meierei im Bürgerpark, wo sich auch die Remise für Wagen und Pferde befindet – werden recht häufig von Bremer Familien wahrgenommen, während die Fremden noch mehr Interesse für die großen Rundfahrten zeigen. Die führen „vom Städtischen Museum am Bahnhofsplatze an den Hotels vorüber zunächst am Wall entlang zum Freihafen, von dort aus über den Markt am Osterdeich entlang zum Bürgerpark und sodann zur Stadt zurück". 1908 werden bei den großen Rundfahrten 986 Personen und bei den kleinen Meiereifahrten 3.988 Personen befördert.




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